Safari im Krüger Park

 Das nach dem letzten Präsident der Südafrikanischen (Buren)Republik, Paul „Ohm“ Kruger, benannte Wildschutzgebiet ist sicherlich einer der berühmtesten Nationalparks der Welt. Das Gebiet erstreckt sich über eine Länge von ca. 350 km entlang der Grenze zu Mosambik und ist mit 20.000 qkm etwas größer als Rheinland Pfalz. Man schätzt, dass ca. 140 Säugetier- und rund 500 Vogelarten im Park leben. Er ist unter anderem die Heimat von schätzungsweise 7800 Elefanten, 1700 Löwen, 2000 Nashörnern und 30.000 Büffeln.

Der Krüger Park stand schon lange auf der Liste meiner Reiseziele ganz oben und so war es ein Glückfall, dass ich meinen Besuch bei Laurie Venter in Johannesburg mit einer Safari dorthin verbinden konnte. Da ich wenig Lust hatte ganz allein durch Südafrika zu fahren, schloss ich mich einer 5 Tage Safari an, die durch die Firma Drifters Tours in Johannesburg organisiert wurde. Drifters ist dafür bekannt, dass die Touren sehr gut organisiert und geführt, aber sehr spartanisch sind. Es wird erwartet, dass die Reiseteilnehmer selbst mit anpacken und „open minded“ sind. Die allgemeinen Informationen von Drifters bringen es auf den Punkt: “If you wish to be pampered and amused with minimal effort on your part, then our tours are not for you.” Das gefiel mir genauso wie der Preis von 430 € inklusive Fahrt, Unterkunft, Verpflegung und allen Eintrittsgeldern.

Die Tour startet jeden Sonntagmorgen um 6:00 in Northcliff, einem der vergleichsweise sicheren nördlichen Stadtteile von Johannesburg. Glücklicherweise liegt das 'Drifters Inn' nur ca. 10 Minuten mit dem Auto von Lauries Haus entfernt und sie hatte von Anfang an klargestellt, dass sie mich selbstverständlich persönlich dort hin fahren würde. Ich hatte wegen der doch ziemlich unchristlichen Uhrzeit ein etwas schlechtes Gewissen, hätte sonst aber auch nicht gewusst, wie ich am Sonntagmorgen dort hinkommen sollte. Insofern war ich Laurie ausgesprochen dankbar.

Bitte auf die Karte klicken, um die Ansicht zu vergrößern:

 Auf dem Hof des Drifters Inn hatte ich dann die Gelegenheit Gerry, den Guide der Tour, sowie die anderen Mitreisenden kennen zu lernen.  Es war eine sehr gemischte Gruppe zwischen Mitte 20 und Ende 50. Die meisten waren aus Deutschland, drei aus der Schweiz und einer aus Kanada. Die älteste Teilnehmerin kam aus den Niederlanden. Nachdem wir uns mit Getränken und einigen anderen nützlichen Dingen eindecken konnten, ging es dann auch zügig los und wir verließen mit unserem Truck Jo’burg in Richtung Westen. Hierbei wurde mir noch einmal richtig klar, dass Johannesburg ein riesiger Ballungsraum mit 7 Millionen Menschen ist. Während man in Windhoek maximal 15 Minuten benötigt um von der Stadt in die afrikanische Wildnis zu gelangen, fährt man in Jo’burg erst mal lange Zeit über ein Gewirr von Autobahnen und durch eine Landschaft, die so gar nicht nach Afrika aussieht: intensiv bewirtschaftete Felder, große Industriekomplexe, Bergwerke und Stahlhütten. Unser Weg führte uns durch das ehemalige Transvaal, welches heute in die Provinzen Gauteng (mit Jo’burg), Northern Province und Mpumalanga (Zulu = Das Land der aufgehenden Sonne) aufgeteilt ist.

Nach einigen Stunden durchfuhren wir Dullstrom und Lydendenburg und genossen die Aussicht vom spektakulären Long Tom Pass. Jetzt wurde die Landschaft deutlich „afrikanischer"  Die Beschreibung der Landschaft liest sich in der Übersetzung der Drifters Reisebeschreibung so: "Der östliche Teil von Mpumalanga ist eine der kontrastreichsten Landschaften Südafrikas. Im Westen geht das Hochland mit hohen Felsen und tiefen Schluchten in das subtropische Tiefland ("Lowveld") über und im Osten liegt die Wildnis des Krügerparks und Sabie Sands. Afrikanischer Urwald, kristallklare Bäche, hohe Wasserfälle schufen einige der reichsten Tier- und Pflanzenvorkommen der Welt." Wie ich während der weiteren Reise feststellen konnte, ist dies keineswegs eine Übertreibung.

     

                Blick vom Long Tom Pass

        

Weiter ging es über Sabie bis nach Hazyview an der Grenze zum Kruger Park (KP). Hier verbrachten wir unsere erste Nacht in einer wunderschönen Lodge, die spektakulär auf Stelzen in Urwald oberhalb des Sabie Rivers gebaut ist. Nach gemeinsamem Kochen und Abendessen saßen wir dann noch die halbe Tropennacht auf der Veranda der Lodge, hörten das Grunzen der Nilpferde und das Konzert tausender Frösche und schlossen dabei die ersten Bekanntschaften. Ich stellte zufrieden fest, dass ich in eine super-nette, lockere und offene Gruppe geraten war. Meine Behausung teilte ich mir mit einem in Kanada lebenden US Amerikaner namens Steve.

          

Drifters Lodge in Hazyview

Am nächsten Tag standen wir, wie auf der gesamten Tour, sehr früh auf (meist so zwischen 4:30 - 6 Uhr) und luden nach einem schnellen Kaffee und ein paar Keksen unsere Ausrüstung wieder in den LKW. Hierbei zeigte sich bereits sehr schnell, wer wirklich gern mit anpackte und wer lautlos und blitzschnell im afrikanischen Busch verschwinden konnte, sobald es nach auch nur nach Arbeit roch.

Wir fuhren zum Paul Kruger Gate, alle schon sehr gespannt darauf was uns im Inneren des Parks erwartete. Bevor wir jedoch in den Park einfuhren, bekamen wir von Gerry noch eine Einweisung in die Verhaltensregeln für den Park, die unbedingt einzuhalten waren (z.B. niemals in ungesichertem Gebiet den Wagen verlassen...man könnte leicht ein Imbiss für die Löwen werden. Mehr dazu weiter unten.).

      

Denkmal für Paul "Ohm" Kruger. Präsident von Transvaal

und letzter Präsident der Südafrikanischen Republik bis zu

deren Zerschlagung durch die Briten nach dem 2. Burenkrieg 1902.

Kruger starb 1904 im Exil in der Schweiz.

Als wir dann endlich in den Park einfuhren und schon nach wenigen Minuten unseren ersten Elefanten sahen, waren alle total aus dem Häuschen. Ich glaube die folgenden Bilder sprechen für sich...... 

     

     

                Der Afrikanische Büffel: mit Sicherheit eines der gefährlichsten Tiere im Busch

 

     

Die folgende Nacht verbrachten wir in Rundbungalows in Pretoriuskop, einem der vielen staatlichen Rastlager im Park. Das Lager war sehr gut gepflegt und mit Swimmingpool und Restaurants ausgestattet. Im Aussehen erinnerte es mich stark an Okaukuejo im Etosha Park in Namibia.

Als wir am nächsten Tag wieder ganz in der Frühe auf Pirschfahrt gingen, haben wir dann endlich unsere ersten Löwen gesehen. Zunächst waren es zwei männliche Tiere an einer Wasserstelle relativ weit weg. Wenig später hatten wir das Glück ein kleines Rudel direkt neben dem Fahrweg beobachten zu können. So ein Kätzchen ist aus der Nähe betrachtet ist schon ein wirklich imposanter Anblick.

     

     

                 Marabus beim "Durchlüften" des Gefieders

 Wir verbrachten den ganzen Tag mit Wildbeobachtungen vom unserem Truck aus. Ich fand es im Vergleich zum Etosha Park in Namibia wesentlich schwieriger die Tiere zu finden. Während der Etosha Park nur eine sehr dünne Vegetation besitzt und im Bereich der großen Salzpfanne sogar steppenartigen Charakter ohne höhere Pflanzen hat, ist der Busch im Kruger Park meist sehr dicht. Oft beträgt die Sicht in den Busch nicht viel mehr als 10 -20 Meter. Dafür ist die Landschaft wesentlich abwechselungsreicher und grüner. Was einem besser gefällt, ist wie immer Geschmacksache.

     

                  Black Rhino                                                                                              Das "Haustier" des KP: eine Impala Antilope

         

Unser Weg führte uns von Pretoriuskop nach Norden zunächst zum Camp Satara, wo wir bei sicherlich 35°C unsere Mittagspause im Schatten einlegten. Hier fand gerade ein Fest einer Zulu Sippe statt. Wir beobachteten an diesem Tag noch mehrere solcher Feste. Nach meinem Verständnis standen sie in Zusammenhang für die am nächsten Morgen stattfindenden totalen Sonnenfinsternis und waren primär keine Touri-Unterhaltung.

     

Das Camp Satara war unsere letzte Station im Park und wir fuhren von dort zügig zum Orpen Gate, durch welches wir den Park verließen....schade eigentlich, ich hätte glatt noch ein paar Tage bleiben können. Auf dem Weg konnten wir aber noch einige schöne Tierbeobachtungen, wie eine Elefantenherde mit Kälbern und einen beeindruckenden Kudu-Bullen machen.

     

     

     

                                                                                                                                                  Kudubulle

Im Westen grenzen eine große Anzahl privater Wildreservate an den Kruger Park an. Diese sind zum Teil sowohl was den Wildbestand, wie auch die Infrastruktur angeht, sehr empfehlenswert. Seit einigen Jahren wird versucht die Besitzer davon zu überzeugen, die Zäune zum KP abzubauen, um die natürlichen Wanderrouten der Tiere nicht abzuschneiden. Wie sich jeder leicht vorstellen kann, stößt dies z.T. auf erheblichen Widerstand...besonders bei Jagdfarmen, die ihr Wild nicht durch eingewanderte Löwen aus dem KP verlieren wollen. Auf anderen Seite des Parks ist bereits der ehemals stark befestigte Grenzzaun zu Mosambik abgebaut worden. Hierdurch ist eines der größten Wildschutzgebiete der Erde entstanden. Das dies nicht nur positive Folgen hat, wird noch weiter unten erläutert.

 Wir blieben die folgenden zwei Nächte in einer einfachen aber traumhaft schön gelegenen Lodge in einem dieser privaten Reservate. Die Lodge war innerhalb des Rervates nicht weiter abgezäunt und Gerry ermahnte uns keinesfalls von der Lodge allein in den Busch zu gehen. Nachts galt: entweder zusammen am Feuer bleiben oder schnurstracks mit Taschenlampe in die Zelte und nicht mehr rauskommen. Wie wir später nachts sehr deutlich am Brüllen hören konnten, gab es in der Nähe der Lodge zahlreiche Löwen. Normalerweise stehen Menschen nicht auf der Speisekarte der Großkatzen (oder professioneller ausgedrückt: sie gehören nicht ins Beuteschema der Löwen). Seit jedoch der Park nach Mosambik hin offen ist, versuchen immer mehr illegale Einwanderer von dort nach Südafrika zu gelangen. Einige dieser Flüchtlinge werden von Löwen gefressen, wodurch zumindest einige Löwen auf den Geschmack gekommen sind: Bei Löwen gilt leider: einmal Menschenfresser, immer Menschenfresser. Langfristig kann sich hieraus ein ernsthaftes Problem entwickeln.  

     

                                                                                       Siesta mit traumhaftem Blick ins afrikanische Buschland

An dem Morgen, an dem die totale Sonnenfinsternis stattfand, brachen wir gegen 5:30 zu einer Buschwanderung auf. Gerry hatte uns vorher noch einige Verhaltensmassregeln mit auf den Weg gegeben: immer dicht zusammenbleiben, sich nicht hektisch verhalten, keinesfalls wegrennen, falls wir Löwen oder anderem Raubwild begegneten. Ehrlich gesagt war mir schon etwas mulmig...ich glaube den meisten anderen auch. Das erste Tier, welches ca. 15 Meter vor uns stand war ein riesiger Kaffernbüffel. Ich zog kurz darauf den Zorn der ganzen Gruppe auf mich, als ich versuchte den Kameraden zu fotografieren: Aufgrund der schon einsetzenden Sonnenfinsternis war es schon recht dunkel und der Blitz meiner Kamera löste aus. Der Büffel fand das gar nicht komisch und drohte uns mehrmals sehr energisch, bevor er dann zur Erleichterung aller im Busch verschwand. Uns wurde schlagartig klar, wie hilflos man hier draussen ist. Er wurde nun immer dunkler und die Stimmung wurde wirklich gespenstisch. Als wir auf einer Lichtung in Mitten eines riesigen Giraffen-Skeletts standen und irgendein sehr großes Tier um uns herumschlich, welches wir nur hören, aber nicht sehen konnten war es dann soweit: eine Frau in der Gruppe bekam den totalen Panikanfall und wollte heulend und schlotternd an ihren Freund geklammert wieder zurück ins Camp.

     

                 Buschwanderung                                                                                         Pavian-Vogelspinne: man beachte das "Gesicht" auf dem Rücken

 

     

Warten auf die Sonnenfinsternis

 

Einmal Omelett für 10 Personen aus zwei Eiern: der Strauss macht's möglich

An unserem letzten gemeinsamen Abend unternahmen wir noch einen abendlichen Gamedrive, der sich bis in die Dunkelheit als "spottlight Gamedrive" ausdehnte.

     

     

Heitere Rast im Busch nach ein paar Windhoek Lager

Zurück im Camp gab es dann noch ein leckeres Braai (Afrikaans = Barbecue) und dazu reichlich Rotwein, Windhoek Lager und Amarula (eine typisch südafrikanische Likör-Spezialität). Der Abend wurde sehr lang. Alle fanden es schade, dass sich die Tour schon dem Ende neigte. Wir schliefen noch einmal mit der unbeschreiblichen Geräuschkulisse brüllender Löwen eine sehr kurze Nacht in unseren Zelten.

Zurück nach Johannesburg führte uns der Weg über die wunderschöne Panoramaroute durch die faszinierende Landschaft der nördlichen Drakensberge und zum spektakulären Blyde River Canyon. Einer 26 km langen und zum Teil über 1000 Meter tiefen Schlucht. Zu unserem großen Bedauern hatte das Wetter umgeschlagen (es war halt Regenzeit) und so hatten wir nur leicht eingeschränkte Sicht.

     

In "Bruke's Luck Potholes" hat der Fluss durch Erosion faszinierende Formen geschaffen. Herrn Bruke, nachdem dieses Naturwunder benannt ist, brachten die Potholes kein Glück: Er suchte hier nach Gold, wurde aber nie fündig.

     

     

Die letzte Attraktion auf unserem Rückweg nach Johannesburg war die alte Goldgräberstadt Pilgrims Rest. Hier löste das 1873 gefundene Edelmetall einen regelrechten Goldrausch aus. Die letzte Mine wurde hier erst 1971 geschlossen. Heute ist der Ort ein Museumsdorf in Staatseigentum.

    

      

Ein kleines Abenteuer erlebten wir dann noch bei unserer Rückfahrt, als Gerry eine Ausfahrt verpasste und wir statt auf dem Autobahnring um die Stadt herum, mitten durch das in das Herz von Jo'burg und Hilbrow fuhren...Gegenden in die sich normalerweise und aus gutem Grund kein Tourist verirrt. Interessant war's trotzdem...oder gerade deshalb.

Ein bisschen müde, aber voller wunderschöner Bilder im Kopf, kamen wir am frühen Abend wieder im Drifters Inn in Northcliff an.

Fazit der Reise: Der Krugerpark ist in vielerlei Hinsicht sicherlich einmalig und ein Muss für Südafrika-Fans. Die Drifters Tour war ein Riesenspaß, gut organisiert und absolut ihr Geld wert. Allen die keine Luxus-Safari erwarten und Spaß daran haben sich auf andere Menschen einzulassen, kann man diese Tour guten Gewissens empfehlen....aber wie schon eingangs gesagt:  “If you wish to be pampered and amused with minimal effort on your part, then our tours are not for you.”

Mich hat das Ganze jedenfalls so überzeugt, dass ich meine für Oktober 2003 geplante Safari nach Botswana und Victoria Falls (Zimbabwe und Zambia) auch wieder mit Drifters gebucht habe.

back to top